Qualifizierung

In diesem Abschnitt finden Sie Informationen zu MRK-relevanten Schulungskonzepten und konkreten Schulungsangeboten

Die Einführung neuer Technologien erfordert auch das Schaffen neuer Kompetenzen im Unternehmen. Durch die zunehmende Automatisierung von Arbeitsvorgängen müssen immer mehr Mitarbeitende den Umgang mit Robotern lernen. Hierbei spielt neben der Qualifizierung von Planungspersonal auch die Schulung operativer Mitarbeitender eine große Rolle, da sie einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Akzeptanz der Mitarbeitenden und somit indirekt auch für den Erfolg der neuen Technologie im Unternehmen darstellt. Innerhalb der Projekte KUKoMo, SafeMate und KoMPI sind drei verschiedene Schulungskonzepte entstanden, welche im folgenden vorgestellt werden. Bei weiteren Fragen zum jeweiligen Konzept, wenden Sie sich gerne an die jeweils zuständige Forschungseinrichtung. Die entsprechenden Kontaktdaten finden Sie unten auf der Seite.


MRK im Schulungs- und Anwendungszentrum des ICM e.V. in Chemnitz

Am Arbeitsplatz der Zukunft arbeiten Menschen und Maschinen Hand in Hand. Um das Personal auf die neuen, kollaborativen Formen der Arbeitsorganisation vorzubereiten, sind neue Lernprozesse gefragt, die sowohl allgemeine Inhalte als auch aufgabenspezifische Besonderheiten berücksichtigen. Herkömmliche didaktische Konzepte stoßen hier an ihre Grenzen. Im KUKoMo-Projekt haben das Fraunhofer-Zentrum für internationales Management und Wissensökonomie und das ICM e.V. ein innovatives Lernkonzept entwickelt. Dies erfolgte in enger Kooperation mit dem neu konzipierten Schulungs- und Anwendungszentrum (SchAz), das sich mit der Qualifizierung rund um den Umgang mit kollaborativen Montagesystemen beschäftigt. Damit übernimmt das SchAz – das institutionell dem ICM zugeordnet ist – Funktionen der Information, der Qualifikation und der Erprobung von Beispiellösungen für die Mensch-Roboter-Kollaboration. Zum Aufgabenrepertoire des SchAz gehören neben Hardware, Software und Infrastruktur die Didaktik für Qualifizierungs- und Informationsmaßnahmen sowie die Organisation zur Verbreitung der Angebote.

Lehrformate für das Schulungs- und Anwendungszentrum

Basierend auf einer inhaltlichen Analyse wurden konkrete und zielgruppenspezifische Konzepte für die drei Lehrformate der Wissensvermittlung im SchAz erarbeitet. Dazu zählen:

 

(1) Informationsveranstaltungen (bspw. in Form von Thementagen oder World Cafés),

(2) zielgruppenspezifische Workshops sowie

(3) Firmenbesuchstage.

 

Die Phasen der Wissensvermittlung orientieren sich dabei an der Sensibilisierung, die vor der Problematisierung des Themas stattfindet, an der anschließenden Lösungsorientierung und dem abschließenden Feedback (Koch 2010: Entwicklung interkultureller Managementkompetenz).

 Die geplanten Informationsveranstaltungen zu festgelegten Themenschwerpunkten sind den ersten beiden Phasen der Wissensvermittlung („Sensibilisierung“ und „Problematisierung“) zugeordnet. Diese Veranstaltungsform richtet sich an die beteiligten Akteure mit dem Ziel eines gemeinsamen und offenen Austausches. Neben Impulsvorträgen werden Anwendungsfälle dargestellt, Best-Practice-Fälle erläutert und aktuelle Themen diskutiert. Demonstratoren laden zudem zum Erproben und zum Expertenaustausch ein.

 

Die geplanten Workshops werden nach Bedarf durchgeführt. Sie generieren konkrete Lösungen für die definierten Zielgruppen und werden damit insbesondere der Phase drei der Wissensvermittlung („Lösungsorientierung“) zugeordnet. Es wurden zwei unterschiedliche Workshop-Konzepte entwickelt, die sich an den heterogenen Zielgruppen orientieren und deren Bedarfe maßgeschneidert adressieren. Die Zielgruppe des ersten Workshop-Konzepts sind Mitarbeitende auf Entscheidungsebene. Der thematische Schwerpunkt liegt dabei auf der Einführung von MRK-Systemen sowie den damit verbundenen Herausforderungen und Lösungsansätzen im eigenen Unternehmen. Das zweite Workshop-Konzept richtet sich an Programmierer und Werker und zeigt Lösungsansätze zur Sensibilisierung und Einbindung der Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse auf. Diese Lösungsansätze werden gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickelt und diskutiert.

 

An Firmenbesuchstagen können interessierte Unternehmen an einer auf ihre Bedarfe zugeschnittenen Führung durch den Demonstrationsbereich des SchAz teilnehmen. Es werden konkrete Beispiele diskutiert, potenzielle Lösungen getestet und Einsatzmöglichkeiten für den eigenen Betrieb reflektiert. Die Teilnehmenden erhalten eine direkte Rückmeldung bezüglich ihrer Ideen und der entwickelten Lösungsansätze. Diese Veranstaltungsform wird damit hauptsächlich in die Phase vier der Wissensvermittlung („Feedback“) eingeordnet.

Lehrmethoden für das Schulungs- und Anwendungszentrum

Als primäre Lehrmethode für die Wissensvermittlung im SchAz wird die Moderationsmethode angewendet, da es zur Qualifizierung und Akzeptanzförderung im Rahmen des SchAz einer anleitenden Person in neutraler Position, eines sogenannten Moderierenden, bedarf. Der erfahrene Moderierende besitzt in Anlehnung an Erpenbeck und von Rosenstiel personale Kompetenzen, aktivitäts- und umsetzungsorientierte Kompetenzen, fachlich-methodische sowie sozial-kommunikative Kompetenzen (Erpenbeck/von Rosenstiel et al. 2017: Handbuch Kompetenzmessung). Die Moderationskompetenz setzt sich aus all diesen Kompetenzklassen zusammen.

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Lehrmaterialien für das Schulungs- und Anwendungszentrum

Die Lehrmaterialien sollen, der ISO-Norm 29993:2017 entsprechend, im Einklang mit den ausgewählten Lehrformen authentisch und aktuell die Anwendung des zu lernenden Themas außerhalb der Veranstaltungen reflektieren (ISO 29993:2017-08). Es ist empfehlenswert, ein Grundrepertoire an Lehrmaterialien zur Verfügung zu stellen. Um den individuellen Stil und die Erfahrungen der einzelnen Moderatoren zur Geltung zu bringen, sollte die Planung der Veranstaltungen und der Veranstaltungsunterlagen einem gewissen Freiraum unterliegen. So kann der Moderator die Inhalte bis zu einem bestimmten Rahmen individualisieren. Zudem können Folien, Videos, Modelle, Plakate und Projekte ergänzend als Hilfsmittel genutzt werden. Ein Wiki kann als Internetportal die Lernenden und Moderatoren beim Abrufen von Informationen und beim selbstständigen lernen unterstützen. Lernende und Sponsoren können beim Kauf von Lernmaterialien begleitet werden. Es sollte eine ausreichende Menge an Lernutensilien zur Verfügung stehen. Zudem sollten sowohl Lernende als auch Moderatoren über die Vorschriften der Verwendung und Verbreitung von physischen und digitalen Medien unterrichtet werden (ISO 29993:2017-08). 


MRK in der IFA Lernfabrik in Hannover

Produktvariantenbezogener Einsatz von MRK

Mit der IFA Lernfabrik hat das Institut für Fabrikanlagen und Logistik im Jahr 2000 eine Schulungsumgebung geschaffen, die sowohl Studierenden als auch Fach- und Führungskräften aus der Industrie ein realitätsnahes und zugleich innovatives Lernen ermöglicht.

 

Der Fokus liegt insbesondere auf der betrieblichen Organisation von Fertigungs- und Montageprozessen, um eine effiziente und kundenorientierte Auftragsabwicklung zu erreichen. 

 

Das Schulungsangebot umfasst verschiedene Module, die sich beispielsweise mit der Anwendung von Methoden des Lean Managements, den unterschiedlichen Verfahren der Fertigungssteuerung oder Methoden des Produktionscontrollings beschäftigen.

 

Neben diesem Schulungsangebot haben Unternehmen nun zusätzlich die folgenden Möglichkeiten, sich mit dem Thema MRK auseinanderzusetzen:

 

Quelle: Institut für Fabrikanlagen und Logistik


Schulungsangebot

Unternehmen haben die Möglichkeit, die Vor- und Nachteile des MRK-Einsatzes sowie einzelner technischer Lösungen am eigenen Leib zu erfahren. Die Schwerpunkte der modular zusammenstellbaren Schulungsinhalte liegen neben den allgemeinen Grundlagen in der Potentialbestimmung und Aufgabenzuordnung von Teilprozessen, den Voraussetzungen für den Einsatz von MRK, den sicherheitstechnischen Aspekten bei der Implementierung sowie dem Vergleich unterschiedlicher Roboter und technischer Lösungen.

 

Die Teilnehmer führen zunächst die ersten beiden Stufen des im Projekt entwickelten Potentialchecks durch und prüfen somit, an welchen Arbeitsplätzen ein entsprechendes Potential vorhanden ist und welche Teilprozesse sich gut eignen, um diese dem Roboter zu übergeben. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer zu den einzelnen Teilprozessen jeweils eine MTM-Analyse sowie den Montagevorranggraphen, um abzuschätzen, inwieweit die Taktzeit durch den MRK-Einsatz reduziert werden kann und ob gegebenenfalls Arbeitsinhalte verschoben werden müssen. So weit möglich, ist es Aufgabe der Teilnehmer einen der beiden zur Verfügung stehenden Roboter selbst für die Verwendung in der zweiten Spielrunde zu programmieren.

 

Ziel des Spiels ist es, das Montageobjekt, welches in 32 unterschiedlichen Varianten vorliegt, in einer gewünschten Lieferzeit zu fertigen und an den Kunden auszuliefern. Durch die Taktzeitspreizungen in Kombination mit einer veränderlichen Kundennachfrage verschiebt sich über die Spielrunden der Engpass des Produktionssystems. Diesem können die Teilnehmer durch geschickten Einsatz der beiden mobilen Roboter entgegenwirken. Durch die mobile Gestaltung der Roboter sind die Teilnehmer in der Lage, deren Einsatz sowohl während als auch zwischen den Spielrunden entsprechend anzupassen.

 

Um auch ergonomische Vorteile erlebbar zu machen. besteht optional die Möglichkeit, einzelne Teilnehmer mittels eines Alterssimulationsanzugs in die Lage eines älteren Mitarbeiters zu versetzen und den Teilnehmer durch den MRK-Einsatz entsprechend zu unterstützen, dass die entstandenen Nachteile in Form von schlechterer Sicht, höherer Beanspruchung und schlechterer Feinmotorik abgemildert und die resultierende gestiegene Bearbeitungszeit reduziert werden kann.

 

Die Bandbreite an resultierenden Prozessen deckt dabei Kooperationsformen von der reinen Koexistenz in Form einfacher Pick & Place Anwendungen bis hin zur unmittelbaren Kollaboration, bei welcher beispielsweise der Roboter dem Menschen das Montageobjekt in der benötigten geometrischen Lage bereitstellt und der Mensch zeitgleich seine Arbeiten am Montageobjekt durchführen kann, ab.

Prototypische MRK-Umsetzung eigener Produktionsprozesse

Darüber hinaus wurde am Institut für Montagetechnik ein Arbeitsplatz eingerichtet, welcher interessierten Unternehmen zur Verfügung steht, um ihre Ideen für potentielle MRK–Anwendungsfälle prototypisch umzusetzen und auf technische und wirtschaftliche Machbarkeit hin zu überprüfen.

Dieser verfügt über eine Vielzahl unterschiedlicher Roboter und Sicherheitslösungen, sowie die Möglichkeit zur prototypischen Gestaltung der Zuführung durch Verwendung modularer Aluminiumprofile und des 3D-Druck-Verfahrens.

 Weitere Informationen zum Schulungsangebot der IFA Lernfabrik erhalten Sie unter www.ifa-lernfabrik.de.


MRK im IE-Trainingscenter in Dortmund

Das KoMPI-Beteiligungs- und Qualifizierungskonzept

Die Beteiligung und Qualifizierung von Mitarbeitern ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Einführung neuer Technologien im Unternehmen. Unwissen über die Technologie oder Bedenken, welche durch einen unzureichenden Beteiligungsprozess nicht war genommen und ausgeräumt werden, führen zu Widerständen gegen Veränderungen. Diese Widerstände können im schlimmsten Fall bis hin zur Sabotage reichen und die Technologieeinführung scheitern lassen. Im Gegensatz dazu kann ein erfolgreicher Beteiligungs- und Qualifizierungsprozess den Erfolg der Veränderungen fördern und zusätzliche Potenziale freisetzen.

 

 Die im Projekt KoMPI entwickelte Systematik unterstützt Unternehmen bei diesem Prozess: Hierbei wird das arbeitswissenschaftliche Wissen des Planungspersonals mit dem Anwendungswissen des operativen Personals kombiniert. Für beide Zielgruppen wurden gemeinsam mit der cognitas. Gesellschaft für Technik-Dokumentation mbH E-Learnings entwickelt, welche eine multimediale Einführung in das Thema MRK bieten. Für den Planer existiert darüber hinaus ein Quick-Check-E-Learning, in welchem die Anwendung des Tools zur Potentialermittlung von Arbeitssystemen hinsichtlich MRK erläutert wird. Anschließend werden im Rahmen eines Workshop-Gesprächs, welches durch das Planungspersonal geleitet wird, Überlegungen des Unternehmens hinsichtlich MRK vorgestellt und Bedenken des Mitarbeitenden werden ausgeräumt. Weitere Schulungsschritte die vollständige KoMPI-Planungssystematik umfassen die Schulung in der Software ema inklusive der Features zur Zuteilung von Aufgaben auf Mensch und Roboter und die arbeitswissenschaftliche Bewertung sowie ein weiteres Feedbackgespräch zwischen Planungs- und operativem Personal (vgl. Abb. Übersicht: Das KoMPI-Beteiligungs- und Qualifizierungskonzept).

Übersicht: Das KoMPI-Beteiligungs- und Qualifizierungskonzept (in Anlehnung an: Weßkamp et al. 2019) | zum Vergrößern klicken

MRK-Demonstratoren im IE-TC

Dieser Teil der Website befindet sich aktuell im Aufbau. Mehr über die Schulungsmöglichkeiten im IE-Trainingscentre können Sie hier in Kürze nachlesen.

Schulungsangebote

 Informationen zu unserem Schulungsangebot erhalten Sie unter http://www.ips.tu-dortmund.de/cms/de/IPS/.

KoMPI

Technische Universität Dortmund

Institut für Produktionssysteme

 

Ruhr-Universität Bochum

Lehrstuhl für Produktionssysteme

 

SafeMate

Leibniz Universität Hannover

Institut für Fabrikanlagen und Logistik

 

Leibniz Universität Hannover

Institut für Montagetechnik

 



Förderhinweis

Diese Forschungs- und Entwicklungsprojekte (KUKoMo 02P15A02x, KoMPI 02P15A06x, SafeMate 02P15A08x) wurden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut.